der Wein
"Damit der Wein gut wird, muß er das Quietschen der Espadela
hören."
Die Rebsorten
Der Benefício
Die Portweintypen
Weißer Port
Ruby Port
Tawny Port

Die Rebsorten
Mehr als hundert verschiedene Rebsorten sind am Douro noch zu finden.
Bei
Neupflanzungen kommen überwiegend aber nur fünf rote Sorten
(in
der Tabelle kursiv) - für die es auch finanzielle
Förderungen
gibt - zur Verwendung.
Tabelle der Rebsorten

Der Benefício - die Vinierung - das Aufspriten
Der eigentliche Vorgang, der Douro-Wein zu Portwein macht, ist der
Benefício:
Das Aufspriten des gärenden Mostes mit hochprozentigem Weinbrand.
Wann man mit dieser Praxis begonnen hatte, läßt sich heute
nicht mehr genau sagen. Was zuerst wohl mit geringen Branntweinzugaben
- um die Stabilität beim Transport zu erhöhen - begonnen
hatte,
dürfte allgemein erst gegen Mitte/Ende des 19. Jahrhunderts das
heutige
Ausmaß angenommen haben. Zumindest sprach sich der legendäre
Baron
Forrester noch um 1850 strikt gegen jegliche Zugabe von Branntwein
aus.
Heute wird die Gärung sämtlicher Portweine - egal ob rot
oder weiß, Vintage oder Ruby - durch Zugabe von 76-78 %igem
Weinbrand
bzw. 98 %igem Weindestillat gestoppt. Der Zeitpunkt des Stoppens
bestimmt
dabei den verbleibenden Restzucker, also die Süße des
Portweins
und auch die Menge, die zugegeben werden muß. Je weiter der Wein
bereits vergoren ist, desto weniger Brand wird hinzugefügt. Es ist
ja bereits ein höherer Alkoholgehalt aus der Gärung vorhanden
und Portwein muß - gesetzlich vorgeschrieben - als Endprodukt
zwischen
18 und 21 %vol. aufweisen.


Die Portwein-Typen
Portwein ist nicht gleich Portwein. Jeder, der einmal Gelegenheit hatte
verschiedene Ports zu verkosten, wird dies bestätigen können.
Die unterschiedlichen Charaktere der Portweine - und damit die
verschieden
Typen - ergeben sich aus einer Reihe von Faktoren:
- verwendete Rebsorten/Grundweine
- die Reifung
- Jahrgangswein / Jahrgangscuveé
- Grad der Süße
- Stil des Herstellers
Die Rebsorten bzw. Grundweine, die für einen Port
verwendet
werden, entscheiden über Tiefe, Farbe, Extrakt, Reifungspotential
usw.. Einfache Rubys und Tawnys beispielsweise sind beides
Jahrgangscuveés
und etwa 3-jährig. Die Tawnys werden von den Herstellern zwar oft
ein wenig trockener ausgebaut, durch die Auswahl der Grundweine ergeben
sich jedoch Ports (möglichst) unterschiedlichen Typs.
Unterschiede in der Reifung ergeben sich aus der Dauer und
dem
Behältnis. Bei der Fassreifung wird der Wein einer Mikrooxidation
unterzogen, die durch das Verhältnis von Oberfläche zum
Inhalt
bei kleinen Fässern stärker ist, als bei größeren.
Jahrgangsports spiegeln den Charakter der jeweiligen Ernte
wieder.
Bei einer Jahrgangscuvée wird dagegen versucht, durch
gezielte
Auswahl der Grundweine, einen möglichst gleichbleibenden
Port
zu verschneiden.
Die dem Port verbleibende Süße läßt
sich
durch den Zeitpunkt der Avinierung leicht regulieren. Je nach Stil des
Herstellers und Art des Portweins entscheidet der Kellermeister wieviel
(natürlicher) Zucker im Wein verbleiben soll.
Tabelle der Süßegrade
|
Bezeichnung (port./engl.)
|
Volumenmasse
|
°Baumé
|
Zucker (g/l)
|
|
|
|
|
|
Muito Doce / Very Sweet
|
> 1,0340
|
> 5,0
|
> 130
|
|
Doce / Sweet
|
1,0180 - 1,0335
|
2,8 - 5,0
|
90 - 130
|
|
Meio Seco / Semi dry
|
1,0080 - 1,0175
|
1,4 - 2,7
|
65 - 90
|
|
Seco / Dry
|
0,9980 - 1,0075
|
0,0 - 1,3
|
40 - 65
|
|
Extra seco / Extra Dry
|
< 0,9980
|
0,0
|
< 40
|
Quelle: Instituto do Vinho do Porto
(IVP)
Jeder Hersteller hat seinen eigenen Stil, den er durch
Regulierung
der oben genannten Faktoren erzielen kann. Auch die Verwendung von
möglichst
völlig neutralem Destillat bzw. einem Brand mit eigenem Charakter
(soweit das IVP ihn zuläßt) unterscheidet die Stile der
Hersteller.


Weißer Port
Die von den weißen Rebsorten der Region erzeugten Portweine
unterscheiden
sich heute im Wesentlichen durch ihren Süßegrad, der von
"extra
trocken" (extra dry, extra seco) bis "süß" (sweet, doce)
reicht.
Weiße Ports, die von einer längeren Fasslagerung
geprägt
sind, findet man immer seltener. Auch die früher vereinzelt
produzierten
weißen Jahrgangsports scheinen mittlerweile ausgetrunken und sind
nur noch sehr selten zu finden.
Die roten Sorten lassen sich in zwei Gruppen einteilen:
Ruby
und Tawny Ports


Ruby Ports
Rubinrote bis lilane - manchmal fast schwarze - Ports, die jung
abgefüllt
wurden. In ihrer Aromatik von frischen Früchten wie Waldbeeren,
Schattenmorellen
usw. geprägt.
Ruby
Der einfache Ruby ist ein etwa 3-jähriger rubinroter
Portwein.
Er wird aus Weinen verschiedener Jahrgänge verschnitten und
trägt
daher keine Jahrgangsangabe.
Vintage Character / Premium Ruby
Auch beim Vintage Character (diese Bezeichnung darf seit kurzem
nicht mehr verwendet werden) handelt es sich um eine
Jahrgangscuvée.
Es werden höherwertige Grundweine verwendet als beim Ruby, die
nach
etwa 4-5-jähriger Reifung abgefüllt werden. In der Farbe
dunkler
und im Geschmack tiefer kommt er als "Vintage Character" oder einem
Markennamen
(z.B. Graham's "Six Grapes") auf den Markt.
Late Bottled Vintage (LBV)
Ein Wein eines einzigen Jahrgangs, dessen Etikett sowohl das Jahr der
Ernte,
als auch das Jahr der Abfüllung trägt. Gesetzlich muss er
nach
frühestens vier und spätestens sechs Jahren abgefüllt
werden.
Viele LBV sind - sobald sie auf den Markt kommen - trinkreif.
In
letzter Zeit findet man jedoch immer häufiger den Zusatz
"Traditional"
auf dem Etikett. Solche Weine wurden ohne Schönung und Filterung -
wie ein Vintage - direkt vom Fass abgefüllt und entwickeln sich in
der Flasche noch weiter. Nach längerer Flaschenlagerung sollten
sie
dekantiert werden. (Achtung! Das IVP hat inzwischen den Zusatz
"Traditional"
untersagt; neuere LBV - etwa Jahrgänge 1998/99 - dürfen
diesen Hinweis nicht mehr auf dem Etikett tragen. Nun findet man
den Zusatz "unfiltered".)
Vintage
Der Vintage gilt als König der Portweine. Er stammt aus
einer
Ernte und muss nach 2-3 Jahren abgefüllt werden, um dann in der
Flasche
über Jahre und Jahrzehnte seinem Höhepunkt entgegen zu
reifen.
In seiner Jugend ist er dunkel lila - manchmal fast schwarz - , mit
zunehmenden
Alter verliert er an Farbe und wird immer heller bis zu einem
zarten
Orange. Ähnlich verhält es sich mit seiner Aromatik: Anfangs
kraftstrotzend, pompös und oft noch disharmonisch, wird er mit der
Zeit - Alkohol, Süße, Extrakt und Gerbstoffe vermählen
sich langsam - immer filigraner und harmonischer. Während
dieser
Entwicklung bildet sich reichlich Depot, so dass Vintages
grundsätzlich
dekantiert werden sollten.
Von welchem Jahrgang ein Hersteller einen Vintage abfüllen
möchte
- ihn deklariert - bleibt ihm überlassen. Das Portweininstitut
überprüft
jedoch die Qualität der angemeldeten Menge und entscheidet, ob
entsprechende
Garantiesiegel vergeben werden.
Die großen Shipper deklarieren einen Vintage gewöhnlich
nur in den allerbesten Jahren. Fällt ein Jahrgang nicht ganz so
excellent
aus, bringen sie oft einen Single-Quinta-Vintage auf den Markt. Diese
Weine
stammen dann ausschließlich von einem Top-Weingut des
Herstellers,
weil oft dort gerade noch Weine entsprechender Qualität produziert
werden konnten.
Kleinere Häuser - besonders die nur aus einer Quinta bestehenden
- unterscheiden solche Jahrgänge nur selten.
Da es bei Wein auch fast immer um wirtschaftliche Interessen geht (und
gehen muss!), hängt die Entscheidung zu einer Deklaration nicht
zuletzt
aber auch vom Lagerbestand und der aktuellen Marktsituation ab.


Tawny Ports
Das englische Wort "tawny" meint "lohfarben" und steht für hellere
- von Fassreifung geprägte - Weine. Mit zunehmender Lagerung
verlieren
die Weine ihr Rot, werden tabakfarben und schliesslich bräunlich;
sehr alte Tawnys zeigen sich oft mit einem leichten Olivgrün.
Tawnys sind gewöhnlich etwas schlanker als die Rubys und tendieren
in ihren Aromen eher zu Trockenfrüchten wie Feigen und Datteln.
Erst
einmal abgefüllt, entwickeln sie sich in der Flasche nicht
wesentlich
weiter und sind daher für den baldigen Verbrauch bestimmt.
Tawny
Ein etwa dreijähriger Wein, der meist mehr durch die Wahl der
Grundweine,
als durch Fassreifung geprägt, einen Tawny-Charakter erhält.
Premium Tawny
Bei diesem - etwa 7-jährigen, gewöhnlich unter einem
Markennamen
(z.B. Dona Antonia von Ferreira) verkauften - Tawny wird der
durch
Fassreifung entstehende Charakter bereits deutlich.
10 Years old, 20 Years old, 30 Years old , over 40 Years old Tawny
Jahrgangscuvées deren organoleptische (Geruch, Geschmack usw.)
Eigenschaften
der Altersangabe entsprechen müssen. Wie bei einem Premium
Tawny
- und entsprechend zu einem Markenchampagner - verschneidet man
verschiedene
Weine derart, dass ein bestimmter Haus- bzw. Marken-Stil bei jeder
neuen
Abfüllung erlangt wird.
Colheita
Der Jahrgangstawny. Vorgeschrieben ist eine Fasslagerung von sieben
Jahren
- früher darf er nicht abgefüllt werden. Nach oben gibt es
keine
Grenze; nur das IVP kann qualitative Einwände vorbringen. So
"richtig
tawny" werden sie in der Regel erst nach zehn bis zwölf Jahren im
Fass (das Abfülldatum muss angegeben werden). Diese -
überwiegend
von den portugiesischen Herstellern gepflegte - Kategorie kann
herausragende
Weine hervorbringen; Colheitas können äusserst fein,
harmonisch
und manchmal auch überwältigend sein. Man sollte sie
gegenüber
den Vintages daher nicht vernachlässigen; mancher Geschmack findet
in diesem Portwein-Stil seine Offenbarung.

© 1999-2010 Karsten Kubin, webmaster@portwine.de